Renaissance der Nähe

Die Digitalisierung erfährt durch die Pandemie Covid-19 einen regelrechten Schub, was sich vor allem auch in der veränderten Art der Kommunikation zeigt. Vorstandssprecher Dr. Werner G. Zenz im Gespräch über den Stellenwert des persönlichen Kontakts und warum es trotz zunehmender Verbreitung digitaler Angebote zu einer "Renaissance der Nähe" kommt.

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Die Pandemie Covid-19 sorgt für stürmische Zeiten. Herr Dr. Zenz, wie segelt das Bankhaus Spängler durch diese Zeit?

Das Krisenmanagement hat exzellent funktioniert. Wir konnten zu jeder Zeit den Bankbetrieb in gewohnter Qualität gewährleisten. Was sich geändert hat, ist die Art der Kundenkommunikation – diese ist momentan wesentlich digitaler als gewöhnlich.

Insgesamt verfügen wir über eine starke Kapitaldecke und eine sehr gute Liquiditätsausstattung, welche uns sehr zuversichtlich in die Zukunft schauen lässt. Wir sind in stürmischen Gewässern auf Kurs und gut gerüstet.

Das Bankhaus hat gerade die Zahlen für das Jahr 2019 vorgelegt. Wie bewerten Sie das vergangene Geschäftsjahr?

Wir können auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Im Geschäftsjahr 2019 erreichten wir ein positives Betriebsergebnis von 5,8 Mio. Euro und ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 7,6 Mio. Euro. Das Kernkapital, das für uns einen wichtigen Grundpfeiler unserer Unabhängigkeit darstellt, wurde durch Rücklagenzuweisungen um vier Mio. Euro erhöht. Damit verbesserte sich die Kernkapitalquote von 12,7 auf 13,1 Prozent.

Nach dem schwierigen Jahr 2018, mit massiven Rückgängen in fast allen Anlageklassen, war 2019 ein teils sogar historisch positives Jahr mit Kursgewinnen sowohl im Anleihen- als auch im Aktienmarkt. Unterstützt durch diese Kapitalmarktentwicklung sowie bedingt durch ein erfreuliches Neukundengeschäft erhöhten sich die für unsere privaten Kunden verwahrten Depotwerte um 19,2 Prozent.

Sie haben gerade die Unabhängigkeit angesprochen. Welcher Mehrwert ergibt sich dadurch für den Kunden?

Als Familienunternehmen können wir sehr schnell auf Veränderungen im Marktumfeld reagieren. Das beste Beispiel dafür ist unsere Online-Vermögensverwaltung CARL, die wir in nur sechs Monaten entwickelt haben. Die Vorteile der Unabhängigkeit sind vor allem auch für die Kunden vielfältig. So werden Kreditentscheidungen in kleinen Gremien und schnell getroffen. Auch in der Vermögensverwaltung wird der Mehrwert spürbar. Wir haben keine eigenen Produkte, die wir verkaufen müssen. Eine stabile Eigentümerstruktur sichert unseren Kunden Stabilität und Berechenbarkeit. All das schätzen unsere Kunden gerade in Zeiten disruptiver Veränderungen sehr.

Das Bankhaus hat bereits vor der Krise das Thema Digitalisierung voran getrieben und als erstes österreichisches Institut 2018 eine Online-Vermögensverwaltung eingeführt. Hat sich diese auch in der Krise bewährt?

Seit Beginn der Corona-Krise verzeichnet unsere Online-Vermögensverwaltung CARL hohe Zuwachsraten. Dass Kunden zur Legitimation und Unterschrift nicht persönlich in die Bank kommen müssen, hilft uns und unseren Kunden enorm. Aber: Die persönliche Beratung wird es im Bankhaus Spängler immer geben. Und sie wird nicht weniger, sondern mehr. Denn letztendlich führt die Digitalisierung zu einer Renaissance der Nähe.

Was meinen Sie damit konkret?

Das heißt, dass Kunden viel bewusster die Nähe suchen und der persönliche Austausch einen viel höheren Stellenwert bekommt. Digitale Angebote können Vieles vereinfachen und unterstützen, aber sie können nie das Vertrauen ersetzen, das in persönlichen Gesprächen entsteht. Banking ist People Business und das wird es immer bleiben. Es ist die Kombination aus Mensch und Technik, die entscheidend ist. Und zwar genau in dieser Reihenfolge. Vieles ist digitalisierbar, das persönliche Gespräch auf Augenhöhe ist es aber nicht.

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