Pandemie der Angst – Wie geht es weiter?

Dr. Nils Kottke, Mitglied des Vorstands, und Markus Dürnberger, Leiter des Spängler Asset Managements im Gespräch: Warum die Ausbreitung des Corona-Virus die Kapitalmärkte hart trifft, mit welcher Strategie das Spängler Asset Management durch die Krise geht und was Anleger jetzt beachten sollten.

Das Corona-Virus lässt die Welt den Atem anhalten

Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen und um einen Kollaps des Gesundheitssystems zu vermeiden, greifen Regierungen zu immer drastischeren Maßnahmen. Weltweit stehen ganze Landstriche unter Quarantäne und eine Lockerung ist nicht in Sicht – eher das Gegenteil ist der Fall.

Das öffentliche Leben ist zum Erliegen gekommen. Menschen werden aufgefordert, in ihren eigenen vier Wänden zu bleiben. Die meisten Geschäfte sind geschlossen und Veranstaltungen abgesagt. Die Weltwirtschaft ächzt unter diesen Maßnahmen. Frühindikatoren deuten eine massive Wirtschaftsverlangsamung an und für einzelne Volkswirtschaften wird sogar eine Rezession vorausgesagt.

Die internationalen Kapitalmärkte haben turbulente Wochen hinter sich. Aktien, Hochzins- oder Schwellenländeranleihen hatten deutliche Kursrückgänge zu verkraften. Besonders besorgniserregend ist die Dynamik, mit der Aktien verkauft worden sind. In nur wenigen Tagen verloren Aktienmärkte über zwanzig Prozent – ein neuer unrühmlicher Rekord. Der breite amerikanische Aktienindex S&P 500 verzeichnete in den letzten Wochen gar zwei, der drei größten prozentuellen Tagesrückgänge seit dem Börsen-Crash von 1987.

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Zu Grafik & Tabelle: Die Angaben basieren auf Vergangenheitswerten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Bei der Prognose handelt es sich um keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung.
Quelle: Factset, Stand 26.03.2020


Um dem Einbruch der Wirtschaft und den negativen Folgen (Unternehmenspleiten, Kreditausfällen, Massenarbeitslosigkeit etc.) vorzubeugen, sind von Regierungen und Notenbanken umfassende Maßnahmen getroffen worden. Die US-Notenbank senkte in beispielloser Manier die Leitzinsen auf ein Minimum von 0,00 % - 0,25 % und garantiert uneingeschränkt Liquidität für Banken. Der Weg der EZB führt in dieselbe Richtung. Die europäische Zentralbank hat weitreichende Liquiditätszusagen auf den Weg gebracht und ein 750 Milliarden Euro schweres Anleihenkaufprogramm – das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) – verkündet.

 

Herr Kottke, die letzten Wochen an den Börsen waren nichts für schwache Nerven. Warum wirken sich die jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus derart stark auf die Kapitalmärkte aus?
Kottke: Nach dem überaus positiven Börsenjahr 2019 starteten die Märkte auch sehr positiv in dieses Anlagejahr. Die Euphorie war groß und die Märkte noch in „Partystimmung“. Erste Meldungen über ein Virus im fernen Wuhan in China konnten diese Stimmung nicht trüben, war es doch ein Phänomen, das regional begrenzt schien. Die schnelle, globale Ausbreitung und die damit verbundenen Konsequenzen hatten die Kapitalmärkte in keiner Weise antizipiert. Das Ergebnis: Angst und Verunsicherung auf weiter Flur und folglich extreme Kursbewegungen. 


Und wie geht es jetzt weiter?
Kottke: Die aktuelle „Corona-Krise“ wird deutlich negative Spuren in der Wirtschaft hinterlassen. Das ist klar. Allein das Ausmaß ist noch schwer abzuschätzen. So ist kaum absehbar, wie lange die von Regierungen, Unternehmen und der Bevölkerung getroffenen Maßnahmen aufrecht gehalten werden müssen, um das Virus erfolgreich einzudämmen.

Dürnberger: Die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte schätzen wir aber grundsätzlich als temporär ein. Manche Branchen, wie beispielsweise Verkehr, Tourismus und Gastronomie, sind besonders stark betroffen und es ist schwierig zu sagen, wie schwerwiegend die Folgen sein werden. Unternehmen, die digital gut vorbereitet sind und einen gesunden Liquiditätspolster haben, werden aber gestärkt aus der Krise hervorgehen. Auch wenn die genaue Dauer der Krise noch eine Unbekannte ist, wird es nach der Krise wieder eine Wirtschaft geben, deren Waren und Dienstleistungen nachgefragt werden. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass die Corona-Krise eine Folgekrise auslöst. Corona-bedingte Kreditausfälle, Turbulenzen am Derivatemarkt (ausgelöst von enormen Kursschwankungen) und zunehmende Staatsschulden könnten zu einer „Ansteckung“ des Finanzsystems führen. Dies muss sehr genau beobachtet werden.
 
Herr Dürnberger, mit welchen Maßnahmen begegnen Sie im Asset Management dieser Krise?
Dürnberger: Im Spängler Asset Management verwalten wir die uns anvertrauten Gelder nach klaren Investmentgrundsätzen. Ganz entscheidend ist hierbei unser Risikomanagement. Unsere Portfoliomanager sind sehr lange im Geschäft und haben auch historische Krisen, wie beispielsweise die Finanzkrise 2007/2008, miterlebt. Aus diesen Krisen haben wir gelernt und unseren Risikomanagementansatz ständig weiterentwickelt. So treffen wir unsere Entscheidungen heute nicht mehr aus emotionalen Beweggründen heraus, sondern halten uns an klare, vordefinierte Verkaufsstrategien. Dies hilft uns in Zeiten wie diesen, keine voreiligen Entscheidungen zu treffen, sondern besonnen und systematisch vorzugehen.

Wenn Sie von einem „besonnen und systematischen“ Vorgehen sprechen. Was meinen Sie damit?
Dürnberger: Wir haben – unserem Ansatz folgend – in den letzten Wochen die Quote der Aktien sowie Hochzins- und Schwellenländeranleihen schrittweise sehr deutlich reduziert. Im Aktienbereich haben wir einen klaren Verkaufsprozess. So führen wir für jede Aktie bei uns im Portfoliomanagement ein titelspezifisches Risikobudget mit – eine Art „Stop-Loss-Marke“. Ist dieses Risikobudget aufgezehrt, verkaufen wir innerhalb eines kurzen Zeitraums die Aktie. Hiermit schließen wir aus, dass einer negativen Kursentwicklung zu lange zugesehen wird. In Zeiten wie diesen ist ein konsequentes Handeln von besonders großer Bedeutung.
Im aktuellen Marktumfeld hat es für uns oberste Priorität, die uns anvertrauten Portfolios zu stabilisieren, Kursrückgänge zu managen und die individuellen Risikobudgets unserer Kunden möglichst einzuhalten.

Als professioneller Vermögensverwalter reduzieren Sie aktuell das Risiko in den von Ihnen gemanagten Portfolios. Wie sollen sich Privatanleger aus Ihrer Sicht jetzt verhalten?
Kottke: Auch wenn wir aktuell in unserem Asset Management sehr vorsichtig positioniert sind und die Aktienquoten stark reduziert haben, sind wir der Meinung, dass mittel- und langfristig Aktien eine ganz wesentliche Anlageform bleiben. So wird das Zinsniveau nach der Corona-Krise noch niedriger sein als es schon vor der Krise gewesen ist. Gleichzeitig ist zu erwarten, dass die Inflation aufgrund der Angebotsknappheit bestimmter Güter – zumindest kurzfristig – etwas ansteigen wird. Bargeld oder Geld auf Giro- oder Sparkonten werden daher auch in Zukunft keine guten Anlageformen sein. Aktien, also das Miteigentum an Unternehmen, sind langfristig aus unserer Sicht sehr viel interessanter. Die aktuellen Kursrückgänge könnten – auch wenn wir diesbezüglich in unserem Asset Management noch sehr vorsichtig sind – dazu genutzt werden, schrittweise langfristige Aktienpositionen aufzubauen. Mit der Politik und den Notenbanken haben Sie hierfür sehr gute Verbündete.

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