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Doris Gall-Schuhmann gewinnt Kunst-Wettbewerb des Bankhaus Spängler

Schillernde Zeiten: Künstlerische Auseinandersetzung mit 190 Jahren Unternehmensgeschichte 

Die gebürtige Linzer Künstlerin Doris Gall-Schuhmann ging als Siegerin eines vom Bankhaus Spängler und der Kunstuniversität Linz ausgeschriebenen Ideenwettbewerbs hervor. Die Vision der Künstlerin ist es, anlässlich des 190-jährigen Bestehens des Bankhaus Spängler die Fassade dessen Linzer Niederlassung in ein schillerndes Kleid zu hüllen: „Mit Hilfe von 21.855 Münzen entsteht eine Zahlenfolge beginnend bei 0 bis 190, welche sich über zwei Stockwerke des Gebäudes zieht und auf das lange Bestehen des Unternehmens verweist, und auch, im Sinne von ‚Glückspfennigen‘ auf eine positive und dynamische Zukunft vorausblickt“, so Gall-Schuhmann. Die Münzen selbst sind dabei an einer textilen Oberfläche angebracht. 

Bildmontage Fassade Linz Doris Gall SchuhmannBildmontage des Siegerentwurfs „Schillernde Zeiten“ von Doris Gall-Schuhmann anlässlich des 190-jährigen Bestehens des Bankhaus Spängler.

Die 31-jährige Linzerin studierte textil·kunst·design an der Kunstuniversität Linz und beschäftigt sich vorwiegend mit der Produkt- und Designentwicklung im textilen Kontext für Industriedesign und Kunst. Mit ihrer Idee für das Bankhaus Spängler ist ihr die Verbindung von der Unternehmensgeschichte, dem Handel mit Waren, dargestellt durch die textile Textur, über das materielle Geld als Zahlungsmittel bis hin zur Digitalisierung, dargestellt durch Zahlenanordnungen vergleichbar mit den Anzeigetafeln in Börsen, gelungen.  

“Es war mir ein Anliegen eine künstlerische Arbeit zu schaffen, die auf verschiedenen Ebenen funktioniert, ästhetisch ansprechend ist, aber auch inhaltlich Sinn macht“, betont die Künstlerin. “Auch wenn für diese Idee keine Realisierung vorgesehen ist, hat uns dieses Thema am meisten inspiriert, da es genau das aussagt, wofür das Bankhaus Spängler steht“, stimmt Johann Penzenstadler, Leiter der Niederlassung Linz, zu.

Interview mit Doris Gall-Schuhmann

pic Gall Schuhmann
Die junge Künstlerin Doris Gall-Schuhmann gewann den vom Bankhaus Spängler und der Kunstuniversität Linz ausgeschriebenen Ideenwettbewerb.

Was hat Sie dazu bewegt textil·kunst·design an der Kunstuniversität in Linz zu studieren?

Gall-Schuhmann: Zu allererst die Freude an der Gestaltung, im Besonderen am Zeichnen, am Experimentieren mit Farben, Formen, Strukturen, Mustern und haptischen Materialien. Ich wollte mit meinen Händen arbeiten und nicht nur rein digital entwerfen. Dies war mir auch als Gegensatz zu meinem Mathematikstudium besonders wichtig. Dabei hat mich das Studium textil·kunst·design an der Kunstuniversität Linz auf Grund der speziellen Ausrichtung angesprochen. Im Besonderen die Möglichkeit, dort viele textile Techniken auf einem hohen Level zu erlernen, damit in den verschiedenen Werkstätten experimentieren zu können und sich mit Fragestellungen sowohl des Designs als auch der Kunst beschäftigen zu können.

Welche Anwendungsmöglichkeit von Textil (Modedesign, Architektur) finden Sie besonders spannend und warum?

Gall-Schuhmann: In meiner künstlerischen Tätigkeit arbeite ich an der Schnittstelle von Körper, Hülle und Raum. Dabei begeistert mich die dreidimensionale Formgebung mit Textil, einerseits als Mode, welche ich im Entwurf als Architektur am menschlichen Körper verstehe, und andererseits als textile Räume und Hüllen sowie als großformatige textile Architekturen und Objekte. Spannend ist für mich der Gegensatz des weichen, zumeist flachen textilen Ausgangs-Materials zur finalen dreidimensionalen Form, die Schnitterstellung und Konstruktion davon. Ein völlig anderer für mich sehr faszinierender Bereich ist jener der textilen Oberflächengestaltung, auch deswegen, weil sich hier breite Möglichkeiten des künstlerischen Experimentierens mit Farben, Formen und haptischen Strukturen anbieten. Textile Oberflächen finden ihren Einsatz in vielen Bereichen, neben der Bekleidung, in der Raumgestaltung, als Dekor oder beispielsweise auch übersetzt in nicht-textile Materialien an Fassaden in der Architektur. Sie können rein dekorativ, aber auch sehr funktional sein.

Mit welchen Materialien arbeiten Sie bevorzugt und was reizt Sie daran?

Gall-Schuhmann: Meine Materialien wechseln je nach Projekt oder Anwendung. Oft arbeite ich aber mit textilen Materialien, welche von äußerst stabil bis sehr fragil reichen können. Für mich ist dabei wichtig: Wie fühlt sich ein Material an? Welche Eigenschaften hat es? Wie kommt die Farbe am Material raus? Wie wird es produziert? In einigen meiner aktuellen künstlerischen Arbeiten verwende ich Leder. Daran reizt mich die spezielle Verarbeitungsweise, das Nicht-Fransen des Materials, die Robustheit sowie die Stabilität und Möglichkeit zur Formgebung. Leder sozusagen als zweite Haut. Auch der Geruch und die Natürlichkeit des Materials spielen eine Rolle. Wenn ich Modekollektionen entwerfe interessieren mich Materialien, die hochwertig sind und meinen ästhetischen Kriterien entsprechen. Diese müssen auch einen Hauch von Luxus am Körper vermitteln. Oft arbeite ich mit Seide, Wolle oder Leinen. Prints und dreidimensionale textile Oberflächen entwickle ich grundsätzlich selbst, manchmal auch die Gewebe.

Welche Besonderheiten hat das Arbeiten mit textilen Oberflächen und Objekten im Vergleich zu anderen Materialien?

Gall-Schuhmann: Für mich zeichnet sich das Arbeiten mit dem Medium Textil im Besonderen dadurch aus, dass es sich dabei eher um eine „feine“ als um eine „grobe“ Arbeit handelt. Das Material ist angenehm. Es ist weich, flexibel und im Gegensatz zu vielen anderen Materialien beweglich. Oft ist die Arbeit mit Textil auch mit einem hohen Maß an Präzision verbunden und reich an Details. Man muss in der Verarbeitung vorsichtig sein. Textilien fransen zumeist leicht, dies gilt es in der Verarbeitung immer mitzudenken.

Wie würden Sie anhand Ihres Projekts „Schillernde Zeiten“ den Prozess von der ersten Idee bis hin zum fertigen Entwurf beschreiben?

Gall-Schuhmann: Die erste Idee ist oft eine vage Intention, ein mögliches Abbild der finalen künstlerischen Arbeit. In diesem Fall war das die Vision einer schillernden Oberfläche, die sich über weite Teile der Fassade des Gebäudes zieht und einem fließenden Goldregen gleichkommt. Diese anfängliche Intention prüfe ich dann auf ihren künstlerischen Gehalt und verwerfe sie entweder wieder oder präzisiere sie immer weiter. In einem ersten Schritt beginne ich dabei mit Materialexperimenten, mit ersten Prototypen und versuche geeignete Materialien zu finden, die einerseits meiner Idee entsprechen und andererseits auch für die jeweilige Anwendung geeignet sind. In diesem Kontext hat mich im Besonderen die Münze und ihr optisch sichtbares Material Kupfer fasziniert. Neben der ästhetischen Qualität des Materials waren dabei für mich auch symbolische Kriterien ausschlaggebend: die Münze als Zahlungsmittel und Glückssymbol. Euro-Cent-Münzen verändern ihren Glanz und ihre Farbe bei verschiedenen Lichtverhältnissen sowie aus verschiedenen Blickrichtungen.

Meine Intention war es eine künstlerische Arbeit zu schaffen, die zu den verschiedensten Tages- und Nachtzeiten funktioniert, die eine eigene Dynamik entwickelt, auf Licht reagiert, schillert und schimmert, die fotogen ist und zugleich einlädt fotografiert zu werden. Ausgehend von den Gegebenheiten des Gebäudes, den bereits vorhandenen gestalterischen Elementen sowie den verschiedenen Blickrichtungen auf die Fassade wähle ich als nächsten Schritt die optimale Position der künstlerischen Arbeit am Gebäude aus und definiere somit auch die Größe des finalen Entwurfs. Weitere wesentliche Schritte am Weg zum finalen Entwurf sind die Entscheidung die Münzen in Form von Zahlen an der Fassade als Ornamentik anzuordnen sowie die Wahl der Münzgröße. Überraschenderweise hat sich dabei aus Gründen der optischen Wirkung, des Gewichts sowie der benötigten Anzahl die 2-Cent-Münze als die beste Wahl herausgestellt. Für die Anordnung der Münzen am Gebäude ist ein transparentes Trägermaterial notwendig. Dieses wird mit genähten Linien bearbeitet, welche als Gitterstruktur die gesamte Fläche überziehen. Diese Struktur ermöglicht erst das Funktionieren der Arbeit und die Befüllung der Fläche mit Münzen. Inhaltlich verweist sie auf die Begriffe Zusammenhalt und Stabilität und auch auf die Vergangenheit des Bankhaus Spängler im Handel mit Waren. Es war mir ein Anliegen eine künstlerische Arbeit zu schaffen, die auf verschiedenen Ebenen funktioniert, ästhetisch ansprechend ist, aber auch inhaltlich Sinn macht.

Wie kam in dieser Arbeit die Verbindung zwischen Textil und Architektur zustande?

Gall-Schuhmann: Meine Intention war es ein Kunstwerk zu entwickeln, das in Harmonie zum Gebäude steht und dessen Helligkeit und Freundlichkeit unterstützt. Ich wollte eine transparente, leichte Arbeit schaffen, die sich der Architektur nicht entgegenstellt, sondern auf diese eingeht. Ebenso war es mir wichtig, dass meine Kunstinstallation die Lichtsituation des Gebäudes nicht einschränkt, also sowohl von der Innenseite als auch von der Außenseite des Gebäudes funktioniert.

Wie sehen Sie den Stellenwert der Textilkunst in der heutigen Zeit?

Gall-Schuhmann: Meint man mit Textilkunst alle künstlerischen Gestaltungen, welche das textile Material betreffen, also auch die reiche Geschichte mit ihren verschiedensten, oft sehr detailreichen textilen Techniken, so sehe ich darin ein hohes Potenzial für Wiederentdeckungen und Neuinterpretation. Es handelt sich dabei um ein reiches Kulturgut, dessen Wert man in einer zunehmend digitalen Welt nicht unterschätzen sollte. Den Begriff Textilkunst für aktuelle künstlerische textile Arbeiten finde ich persönlich nicht passend, da es für mich bei einer künstlerischen Arbeit nicht zwingend um das handwerkliche Können geht, sondern vor allem um die künstlerische Aussage und somit das Material je nach Aussage auch wieder wechseln kann. Im Bereich des Textildesigns, im angewandten Kontext und auch in Hinblick auf Neugestaltung und Neuerfindung von textilen Materialien denke ich gibt es momentan einen Aufwärtstrend, auch in Bezug auf disziplinübergreifende Ansätze.

Sie waren neben Ihrer künstlerischen Tätigkeit in der Vergangenheit auch als Senior Lecturer an der Kunstuniversität Linz tätig. Welchen Rat würden Sie NachwuchskünstlerInnen geben?

Gall-Schuhmann: Das Feld des Experimentierens an einer Kunstuniversität ausgiebig zu nützen und nicht davor zurück zu scheuen neue Dinge auszuprobieren, um daraus zu lernen. An sich selbst zu glauben, auch bei Gegenwind nicht aufzugeben und sich und die eigene künstlerische Tätigkeit ständig zu hinterfragen und weiter zu entwickeln.