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Exklusives Interview mit dem Weingut Erich und Walter Polz

Inmitten der schönen Südsteiermark liegt das Weingut Erich und Walter Polz. Es besteht seit 1912 und wird seit Ende der 1980er Jahre von Erich und Walter Polz geleitet. Die Brüder waren bei der damaligen österreichischen „Weinrevolution“ führend, bei der von süßen Weinen und Massenproduktion auf trockene Qualitätserzeugnisse umgestellt wurde. Auch heute noch gilt das Weingut als Impulsgeber in Sachen Qualität, Innovation und Stilistik. Mit seinen Tochterbetrieben zählt Polz zu einem der größten Weinproduzenten Österreichs. Erich Polz und sein Sohn Christoph standen dem Bankhaus Spängler für ein exklusives Unternehmensinterview Rede und Antwort und sprachen offen über ihren Betrieb, die Wissenschaft der Böden, was guten Wein ausmacht und über den Wert eines Familienunternehmens.

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Im Bild: Die Eigentümer des Weingutes Erich (l.) und Walter Polz (r.) sowie Christoph (M.), der Sohn von Erich Polz. Er hat bereits die Aufgaben im Keller übernommen und verbindet die Erfahrung und das Know-how seines Vaters und Onkels mit neuen Ideen und Visionen der nächsten Generation.

Unternehmen und Produkte

Das Weingut besteht ja bereits seit 1912, wie groß ist die Anbaufläche?
Erich Polz:
In Summe bearbeiten wir 108 Hektar. Da sind die Weingärten unseres Tochterbetriebes Tscheppe am Pössnitzberg auch dabei.

In der wievielten Generation sind Sie am Weingut tätig?
Erich Polz:
Wir sind vier Brüder, drei davon sind am Weingut tätig. Reinhold, der älteste, ist der Geschäftsführer des Weingutes und Walter und ich sind die Eigentümer. Wir sind die dritte Generation und mein Sohn Christoph ist bereits die vierte Generation.

Wie kann man sich einen Tag in Ihrem Betrieb vorstellen?
Christoph Polz: Der Weinbau hat in der Landwirtschaft eine Sonderstellung, da vom Grundrebmaterial bis zum servierfertigen Wein im 4-Sterne-Lokal alles bei einer Person bzw. einem Betrieb liegt. Es gibt keinen, der das Grundprodukt weiterveredelt. Bei unserer Fläche gibt es unterschiedliche Positionen und Aufgabenverteilungen. Ich bin verantwortlich für die Produktion bzw. für den Keller, international spricht man vom sogenannten "Winemaker".

Wo ist der Unterschied zum Winzer?
Christoph Polz:
Winzer ist der Überbegriff. Bei kleinen Betrieben ist der Winzer alles in einer Person. Je größer der Betrieb ist, desto mehr Verantwortliche gibt es – einen für den Außenbereich, einen für den Keller, einen für den Vertrieb etc.

Sie haben ein anderes Weingut namens Tscheppe mit dem Gut Pössnitzberg übernommen. Wie kam es dazu?
Erich Polz:
2002 haben wir das Weingut übernommen, da der Betrieb insolvent war. Uns gelingt es damit, unterschiedliche Gebiete, Weincharaktere und Kundensegmente abzudecken.

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2002 übernahmen Erich und Walter Polz das Weingut Tscheppe. Auf 32 Hektar werden auf dem Czamillonberg und dem Pössnitzberg die klassischen Rebsorten der Region kultiviert. Zum Weingut gehören auch ein Weinhotel und ein Restaurant.

Ist das Hotel Gut Pössnitzberg verpachtet oder betreiben Sie es selbst? 
Erich Polz: Das Hotel wird von uns betrieben. Wir kommen auf 15.000 Nächtigungen pro Jahr. Wir haben einen sehr guten Hoteldirektor dort, der das Hotel bereits das vierte Jahr führt. Unser Direktor Rainer Ogrinigg – ein ehemaliger Eishockeyspieler – bringt echte Begeisterung für Wein mit. Jeden Tag findet eine Wein- und Sektverkostung statt.

Sie bieten auch ein Genussregal an? Was kann man sich darunter vorstellen? 
Erich Polz: Unser Wunsch war es, eine 1.000 Quadratmeter große Weinhalle zu errichten. Wir haben uns dazu entschieden, die Weinhalle im Gewerbegebiet zu bauen, da die Logistik und der Handel besser handhabbar sind als im Weinbaugebiet. Die Marke, die wir dort vertreiben, nennt sich „Vinofaktur Genussregal“. Dort befinden sich Container mit kulinarischen Spezialitäten aus der Südsteiermark.

Bauwerk Genussregal
Die Vinofaktur Genussregal Südsteiermark befindet sich in Vogau und besteht aus einer Vinothek, einer Ausstellung und einem Genusslokal.

Hat sich Wein eigentlich zu einem Lifestyle-Produkt entwickelt?
Erich Polz:
Ja, definitiv. Mitarbeiter aller Branchen werden zu Weinkursen geschickt, um in Kundengesprächen ein gutes Gesprächsthema zu haben. Und da ist Wein sehr gut geeignet.

Secco, Prosecco und Sekt

Was ist der Unterschied zwischen Secco, Prosecco und Sekt?
Erich Polz: Welten! Grundsätzlich handelt es sich um Schaumweine. Sekt wird durch die zweite Gärung gewonnen. In der Gärung entstehen Alkohol und Kohlensäure. Die Kohlensäure wird eingesperrt – entweder im Tank oder in der Flasche. Bei 6 Bar ist es dann Sekt – mit viel Kohlensäure, viel Geschmack und viel Hefe. Wir sprechen gern von Winzersekt, weil das Handling der Flaschen eine enorme Arbeit ist. Beim Sekt liegen zwischen der Ernte und dem fertigen Produkt immerhin vier bis viereinhalb Jahre. Prosecco muss in einem gewissen Anbaugebiet produziert werden und Secco ist nichts anderes als eine Bezeichnung für Perlwein.

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Seit 2006 beschäftigt sich das Weingut Polz auch mit der Sektproduktion. Der Brut M (Muskateller), der Brut Blanc und der Brut Rosé stehen zur Auswahl.

Die Wissenschaft des Weines

Wie ist die Beschaffenheit Ihrer Böden?
Christoph Polz: Die Südsteiermark ist eine verhältnismäßig kleine Weinbauregion, die sich aber in sich enorm abwechselt. Je nach Bodenform – ob Muschelkalkboden, Sandig-Schotterboden, Kalkmergelboden, Schieferboden – gedeihen die Reben anders und entwickeln sich vom Aromatischen her anders.

Was ist das Besondere an Ihrem Weingut und Ihren Weinen?
Erich Polz: Die Hauptsorte in der Südsteiermark ist der Sauvignon Blanc. Wir haben international beste Erfolge mit dieser Sorte und auch den Vorteil, dass sie international verstanden wird. Der Sauvignon Blanc wird verglichen. Den kennt man von Neuseeland bis Frankreich.

Wann ist ein Wein für Sie gut?
Christoph Polz: Für mich sind die wertigsten Weine jene, die aus einer reifen Traube bestehen und ihre Herkunft widerspiegeln – wenn ich schmecken kann, wo sie herkommen – und sie Lagerpotenzial aufweisen.

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Das Credo von Winemaker und Kellermeister Christoph Polz lautet: „Der Wein muss schmecken wie der Berg, von dem er kommt.“ Er trägt die Verantwortung für den Ausbau der Weine im Hause Polz.

Was versteht man unter einem „trockenen Wein“? 
Erich Polz: Weine mit unter 4 Gramm Restzucker pro Liter. Früher waren die höchstprämierten Weine jene mit viel Zuckerrest, sogenannte Spätleseweine. Wir wollten uns damals als Jungwinzer neu positionieren und hatten die Idee von einem Wein, der die Aromatik der Weintraube mitbringt und nicht vom Zucker  also von den Fruchtaromen geprägt ist. Nach dem Weinskandal im Jahr 1985 war der trockene Wein etwas ganz Besonderes.

Was machen Sie als Winemaker, damit der Wein gut wird? Was passiert nach der Ernte in den Tanks?
Christoph Polz: Je besser die Grundqualität ist, desto weniger tue ich. Eigentlich begleite ich den Wein dann nur. Deshalb wehre ich mich auch gegen den Begriff „Winemaking“. Technologisch ist natürlich alles möglich. Die Frage ist: Nehme ich mich selbst so weit zurück, dass der Wein für sich sprechen kann und kommt das Ergebnis dann auch beim Kunden an?

Wie lange muss die Rebe wachsen, damit sie einen guten Wein bringt?
Christoph Polz:
Für mich sind 10 bis 15 Jahre ein guter Zeitraum. In dieser Zeit macht die Rebe qualitativ einen Sprung. Vorher ist das Ergebnis aromatischer und schmeckt mehr nach Sorte als nach Boden.

Erich Polz: Es braucht mindestens fünf Jahre, bis man einen Ertrag hat. Das erste Ergebnis sind dann lustige, frische Weine. Erst danach beginnt sich das Aroma geprägt vom Terroir zu entwickeln.

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Der Sauvignon Blanc aus dem Hause Polz wird weit über die Landesgrenzen hinaus geschätzt. Das Sortiment im Weingut umfasst die Gruppe der "Steirischen Klassik" mit Fruchtigkeit und Klarheit und die Lagenweine mit Charakter und Unverwechselbarkeit. Das Angebot reicht von Welschriesling, Weißburgunder, Gelber Muskateller, Morillon über Gewürztraminer, Grauburgunder und Sauvignon Blanc bis hin zu Zweigelt, Pinot Noir und St. Laurent.

Was war die erste Sorte in Ihrem Weingut, als damals Ihre Urgroßeltern begonnen haben? 
Erich Polz: Unsere Urgroßeltern haben vor ungefähr 150, 170 Jahren mit dem Obst- und Weinbau begonnen, direkt als Weingut gibt es uns seit 1912. Erzherzog Johann von Habsburg, der in der Steiermark vor allem für den Bergbau und die Grazer Wechselseitige Versicherung bekannt ist, hat auch den Weinbau massiv gefördert. Damals gab es 40 empfohlene Sorten. Beim Sauvignon Blanc waren wir damals schon sehr stark.

Worin liegt die Kunst eines guten Weines?
Erich Polz: Wir haben hier in der Südsteiermark die besten Aromen und Fruchtnoten, deshalb brauchen wir keine zusätzlichen Tannine. Wichtig ist, die Herkunft im Keller so gut wie möglich zu interpretieren. Und genau darauf hat ein Kellermeister zu achten – und das ist eine enorme Aufgabe. Bevor die Arbeit im Keller anfängt, steht aber die Arbeit in den Weingärten im Fokus: Man hat immer auf die Weingärten zu achten, darauf, wie die Reben geschnitten werden, wann der Lesezeitpunkt ist, wie viele Kilo geerntet werden, wie viel Erträge erbracht werden können das macht mein Bruder sein ganzes Leben lang.

Auszeichnungen

Sie haben viele Auszeichnungen. Welche hätten Sie denn noch gerne?
Erich Polz: Ein Wein wird durch Auszeichnungen nicht besser oder schlechter. Für das Image und die Vermarktung sind sie jedoch sehr wichtig. Wenn wir bei großen Verkostungen, bei denen die besten Häuser, Sommeliers und Weinjournalisten vertreten sind, eine Auszeichnung erhalten, freut uns das aber natürlich.

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Das Weingut Polz konnte bereits zahlreiche internationale Auszeichnungen einheimsen. Für das Hochzeitsdinner der schwedischen Prinzessin Madeleine und des amerikanischen Geschäftsmanns Christopher O'Neill lieferte das Weingut Polz 160 Großflaschen an das schwedische Königshaus. Serviert wurde der Sauvignon Blanc von der Ersten Lage "Therese", Jahrgang 2011, aus 1,5-Liter-Magnum-Flaschen.

Familienunternehmen

Wie kam es zur Übergabe an Sie und Ihren Bruder?
Erich Polz: Unsere Eltern haben das so entschieden, wir waren zu dem Zeitpunkt noch gar nicht so weit. Mein Vater wollte übergeben und hat gesagt, er übergibt an uns beide.

Wie haben Ihre Eltern Sie geprägt? 
Erich Polz: Geschmacklich – damit wir uns mit Qualität auseinandersetzen – hat uns unsere Mutter geprägt. Unser Vater hatte eine gute Weinnase und hat damals schon gute Weine gemacht.

Was machen Sie anders als Ihre Eltern?
Erich Polz: Die Weinwirtschaft. Früher haben wir Ab-Hof Liter- und Dopplerflaschen für die Gastronomie verkauft. Uns war bewusst, dass es international und auch in der Steiermark Spitzenbetriebe gibt, die sich mit Qualitätsweinen beschäftigen. Und da wollten wir hin. Der Geschmack des Weines ermöglichte es uns, uns international zu positionieren. An dem arbeiten wir konsequent weiter. Wenn ich jetzt die Weine von Christoph koste, bin ich wirklich zufrieden. Diese Generation schafft es – durch die natürlicheren Einflüsse, indem dem Wein mehr Zeit gegeben wird und man sich selbst nicht so wichtig nimmt – dass uns die Weine überraschen.

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"Wenn ich jetzt die Weine von Christoph koste, bin ich wirklich zufrieden", sagt Erich Polz.

Was heißt es für Sie, in einem Familienunternehmen tätig zu sein? Welche Verantwortung bringt das mit sich?
Christoph Polz: Unser Familienunternehmen ist geprägt von Tradition. Ich kann den Betrieb nicht einfach nach Niederösterreich verlegen, da ich den Boden nicht mitnehmen kann. Unser Gedanke ist es, langfristig eine qualitative Werterhaltung und Wertsteigerung der natürlichen Gegebenheiten zu erzielen und nicht das Ausschlachten in einer Generation. Die Rebstöcke am Hochgrassnitzberg sind zwischen 1985 und 1986 gesetzt worden – vor über dreißig Jahren. Ich zehre immer noch davon, denn wir können jetzt noch einmal eine andere Liga von Traubenqualität produzieren. Wenn ich jetzt neue Rebstöcke setze, hoffe ich, dass in 30 Jahren jemand anderer davon zehren kann.

Erich Polz: Es ist wichtig, gewisse Werte der Familie miteinfließen zu lassen, die man auch im Betrieb spürt. Und eines merkt man in einem Familienbetrieb auf jeden Fall: es stehen Personen und eine Familie dahinter. Das schätzen auch unsere Kunden, denn es handelt sich um keine industrielle Fertigung. Sie spüren die persönliche Note.

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?
Christoph Polz: Sehr vieles, was im Freien möglich ist – Skitouren, Wandern, Fliegenfischen und Reisen.

Es gibt den Spruch „in vino veritas“. Welche Wahrheit liegt denn im Wein? 
Christoph Polz:
Im Wein liegt nicht die Wahrheit. Aber der Wein entlockt die Wahrheit.

Video-Impressionen zum Weingut

 

Interviewführung: Eva-Maria Weidl
Redaktion: Sarah Eibl